Schöne neue Welt?

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Im Zuge der Aufnahmen zur ersten Bloodred-EP habe ich mir auch Gedanken über die “Distribution” gemacht. Auch wenn ich definitiv keinerlei kommerzielle Interessen verfolge, so will ich doch natürlich dafür sorgen, dass die Musik auch gehört wird. Sollte über den Verkauf auf diversen Plattformen ein kleiner Betrag reinkommen, wäre das schön – ist aber wie gesagt nicht das Ziel. Die notwendigen Investitionen für die Aufnahmen habe ich aus dem einzigen Grund getätigt, weil ich meine Musik einfach mal in einem wirklich professionellen Umfeld aufnehmen und am Ende auch ein bleibendes Ergebnis haben wollte. Von den vielen neu gewonnenen Erfahrungen ganz zu schweigen!

In den letzten Jahren habe sich immer wieder Musiker zu Wort gemeldet, die sehr eindringlich auf den sich verändernden Musikmarkt eingehen. Zuletzt hat dies  Karl Sanders von Nile getan:

The Internet has changed the entire music business. For those of us that were around before the age of the Internet, it’s a completely different world. None of the old rules apply anymore; it’s change-and-adapt or die. A lot of people have to change their way of thinking or the way to make a dollar to make a living and keep going. There are no more CD sales. There are some, and it’s getting harder to make a living on tour with the rising cost of touring. Everything goes up except the amount of money that we get paid.

Ich würde mich nun wirklich als sehr Internet-affin bezeichnen aber was den Kauf von Musik angeht, bin ich ganz offensichtlich noch sehr “old school”. Ich kaufe tatsächlich noch CDs oder zumindest ganze digitale Alben/EPs/Singles – bisher bin ich aber noch nicht in die Gruppe derer eingetreten, die Musik nur noch z.B. über Spotify streamen. Natürlich, der Reiz des Streamens ist unbestritten nicht zu unterschätzen. Wo sonst hat man ein dermaßen riesiges Repertoire von Musik im Zugriff? Und das für wirklich wenig Geld? Aber genau da liegt auch die Krux, wie ein Artikel auf Backstage PRO sehr anschaulich aufzeigt. Kurz zusammengefasst: ein Stream z.B. über Spotify bringt Künstlern pro Song nur den Bruchteil eines Cents (diese Rechnung kann ich auch aus erster Hand bestätigen). Die Refinanzierung von Aufwänden für Studio etc. sind am Ende wahrscheinlich nur für wenige sehr große Bands realistisch. Das ist umso erschreckender, als dass im Streaming nach aktuellem Wissen aber (erst mal) die Zukunft der Verbreitung von Musik bzw. des Musikhörens liegt. Somit ist das Geschäftsmodell “Musik” für viele, viele Künstler in der aktuellen Situation praktisch gescheitert, wenn es als alleiniger Beitrag zum Lebensunterhalt dienen sollte.

Gleichzeitig sagt es aber auch etwas darüber aus, wie gering mittlerweile die Wertschätzung für das Schaffen von Kunst geworden ist (und Kunst lässt sich ja breit definieren). Ich muss leider den meisten, die Streaming-Dienste nutzen, unterstellen, dass sie sich noch nie Gedanken über diesen Sachverhalt gemacht haben. Aber wahrscheinlich würde die Sache auch mit mehr Informationen nicht anders aussehen. So gilt meiner Meinung nach: Streamen ist Ausbeutung! Das einzige Argument, dass für mich stichhaltig ist, ist die Möglichkeit Musik über diese Dienste zu entdecken und im Anschluss auch tatsächlich zu kaufen. Ansonsten ist es nur ein billiges Vergnügen für den Nutzer … und ein sehr teures für Künstler!

 

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